voigtländer bessa III 667 – ein review

es gab wohl kaum eine kameraneuvorstellung in den letzten jahren, die im vorfeld so heftig diskutiert wurde wie die der bessa III von voigtländer. zum einen bezüglich des preises und zum anderen ob so eine kamera heute überhaupt noch sinn macht, da man ja ähnliche bereits deutlich günstiger gebraucht bekommt, z.b. eine plaubel makina oder die mamiya m7. beide sind aber längst nicht so kompakt und transportabel.
für mich war (und ist) die bessa III die mittelformat-reisekamera schlechthin! keine andere kamera verbindet die formate 6×6 und 6×7, eine zeitautomatik, einen guten belichtungsmesser und ein sehr gutes objektiv in einem wirklich kleinen, handlichen und sehr transportablen gehäuse. das war für mich letztendlich auch der grund, die nicht gerade geringfügige investition zu tätigen. glücklicherweise konnte ich ein vorführmodell für einen sehr hohen rabatt erstehen. retrospektiv und aufgrund meiner ersten erfahrungen hätte ich aber wohl auch den “normalpreis” bezahlt, die kamera ist es definitiv wert!

das gehäuse ist sehr stabil, die kamera liegt solide in der hand und alle bedienelemente sind perfekt platziert. der klappmechanismus ist auch hochwertig umgesetzt und funktioniert sehr schnell und zuverlässig. einziger kleiner nachteil: man muss vor dem zusammenklappen immer erst auf unendlich fokussieren, ansonsten wird die entriegelung nicht freigegeben. dies ist ganz klar ein bautechnisches zugeständnis an die kompaktheit der kamera und war für mich nach kurzer zeit kein “problem” mehr.
auch positiv empfinde ich die art, wie der gurt angebracht ist. nicht wie bei den meisten kameras üblich oben am gehäuse, sondern (wie z.b. auch bei der leica cl) links seitlich.

das filmeinlegen geht einfach und schnell und auch das filmtransportrad lässt sich sehr gut bedienen. es hat eine übersetzung, so dass der transport zum nächsten bild sehr zügig von statten geht. weiterhin hat es einen freilauf, dadurch ist auch ein noch schnelleres transportieren durch hin- und herbewegen des knopfes möglich. ich mache das allerdings nicht, da ich denke, dass sich dadurch die bildabstände vielleicht nicht so sauber ergeben wie mit einem gleichmässigen, ruhigen transport.

eines der absoluten highlights der kamera ist definitiv der sucher. es geht buchstäblich die sonne auf, wenn man hindurchschaut! er ist meines erachtens nach nochmal deutlich heller als der meiner m7, ich habe noch keinen helleren messsucher gesehen! weiterhin werden der jeweils eingestellte bildrahmen 6×6 oder 6×7, natürlich mit automatischem parallaxeausgleich, nebst belichtungszeit eingespiegelt.
dieser helle sucher erleichtert das fotografieren in sehr dunklen umgebungen natürlich enorm und unterstützt die hervorragende available-light-fähigkeit der kamera.

bezüglich der available-light-fähigkeit muss natürlich der verschluss erwähnt werden. dieser ist definitiv das leiseste, was ich je (nicht) gehört habe. als ich die kamera zum ersten mal auslöste, stutzte ich: hab ich jetzt ausgelöst oder nicht? ich hatte es kaum gehört. also perfekt um in ruhiger umgebung undaufdringlich und unbemerkt fotografieren zu können! und da er als zentralverschluss ausgelegt ist, traue ich mir ohne weiteres 1/15 aus der hand zu, auch 1/8 habe ich schon mit durchweg scharfen resultaten geschossen! wer mich kennt weiss, dass das eine kleine sensation ist, da mein “grundtremor” mich nicht gerade als neurochirurgen qualifizieren könnte…
zur veranschaulichung der geräuschkulisse habe ich die auslösegeräusche der bessa III und der m7, beide mit 1/30 sekunde, aufgenommen und hintereinander gestellt. die ersten beiden kommen von der bessa, danach zweimal die m7.

weil mit der kamera eben solche langen zeiten problemlos aus der hand möglich sind, vermisse ich auch nicht die so oft diskutierte 2.8er blende, die verfügbare offenblende von 3.5 reicht mir allemale aus, das bokeh des 80mm heliars ist sehr fein und prinzipiell gibt es nichts an dem objektiv auszusetzen. nunja, die bauart heliar ist ja auch nicht gerade als schlecht bekannt. auch was die verzeichnung angeht liefert es hervorragende ergebnisse, gerade bei der so von mir geliebten architekturfotografie ist das natürlich ein weiterer pluspunkt. es liefert einen perfekten kontrast, die schärfeleistung ist enorm und den bildeindruck würde ich als sehr ausgewogen bezeichnen.

ich habe bisher 16 filme mit der bessa belichtet, darunter trix 400, px 125, acros 100, fomapan 200 und portra 400 vc/nc und bin mehr als begeistert von den ergebnissen. einige davon sind hier in der galerie zu sehen.

abschliessend kann ich sagen, dass mit der bessa III für mich ein traum in erfüllung gegangen ist: eine rundum ausgewogene, kompakte und schnelle mittelformatkamera zum immer dabei haben!

One comment

  1. Flückiger Lorenz says:

    Guten Tag und danke für den schönen Blog!
    Analoges Mittelformat ist immer sehr attraktiv!
    Ich möchte Sie höflich anfragen, ob Sie eine Service- oder Reparaturadresse für die Voigtländer Bessa 3 kennen?
    (Leider macht auch trotz neuer Batterien und Putzbemühungen meine Bessa 3 keinen Wank mehr . Nichts leuchtet wie es sollte).
    Vielleicht wissen Sie mir Rat?
    Herzlichen Dank!
    L. Flückiger, Schweiz

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